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Kein Fernwasser für Untersteinach!

Rückzug der Fernwasserversorgung Oberfranken FWO:  Die FWO lehnt die Vollversorgung der Gemeinde Untersteinach ab!  Der Widerstand der Bürgerinitiative „Pressecklein darf nicht sterben“ gegen den FWO-Vollanschluss und ihre Aufklärungsarbeit über die unzulängliche „Wasserstudie“ hat Wirkung gezeigt. Endlich kann sachlich über die einzelnen Maßnahmen zur Sanierung der eigenen Wasserversorgung aus dem Brunnen „Pressecklein“ diskutiert werden, der Wasser in guter Qualität und gut ausreichender Menge liefert. In ihren Erklärungen beschweren sich FWO und Bürgermeister Schmiechen bitterlich über die angeblich unsachliche Debatte und sehen die Demokratie in Gefahr, weil jetzt der vom Gemeinderat lange verschobene Ratsentscheid hinfällig ist.

Dazu unsere Presseerklärung: Presse-Erkl-IKT-zu Rückzug-FWO

https://www.infranken.de/regional/kulmbach/untersteinacher-buergermeister-sieht-niederlage-fuer-die-demokratie;art312,3608800
https://www.frankenpost.de/region/kulmbach/FWO-dreht-den-Hahn-zu;art83417,6271334

Sanierung oder Vollanschluss an FWO

In Untersteinach/ Kreis Kulmbach verlangen die Freien Wähler/Wählergemeinschaft Untersteinach (WGU) genauere Informationen zur zukünftigen Trinkwasserversorgung.  Es geht um die Frage Sanierung oder Vollanschluss an die Fernwasserversorgung Oberfranken (FWO).
Dabei handelt es sich in Untersteinach um eine kommunale Trinkwasserversorgung mit genehmigten Schutzgebiet und einer Entnahmegenehmigung bis 2042!
Nicht die Deckung des Wasserbedarfs ist das Problem, sondern die Sanierung der Verteilung. Daher ist zunächst zwingend zu analysieren und zu quantifizieren, wie die hohen Wasserverluste zustande kommen: Der Brunnen wurde 1962 gebaut und ist 87 Meter tief. Die Fördermenge beträgt rund 125 000 Kubikmeter pro Jahr, von der FWO bezieht die Gemeinde etwa 15 000 Kubikmeter. Die verkaufte Wassermenge beläuft sich allerdings nur auf rund 70 000 Kubikmeter, d.h genausoviel, nämlich 70 000 Kubikmeter, gehen verloren.

Daher schickte die WGU vor der kommenden Bürgerversammlung einen umfangreichen Fragenkatalog an die Gemeinde. Außerdem lädt die WGU  zu einer Informationsveranstaltung ein:
„Unsere Wasserversorgung am Scheideweg“
mit Herrn Dipl. Geologen Dr. Otto Heimbucher
am 4.7.2017 um 19 Uhr in der ’Alten Post’ (Musikheim) Untersteinach

Pressebericht unter:

http://www.infranken.de/regional/kulmbach/WGU-schickt-Fragenkatalog-zur-Wasserversorgung-in-Untersteinach;art312,2728654

Bei ihrer Anfrage verweist die GWU auch auf das Umweltinformationsrecht. Hier die Anfrage mit Fragekatalog:
Fragenkatalog-Wasserversorgung-WGU

Information und Kommentar:

Der kommunale Zweckverband FWO gewinnt  jährlich etwa 12 Mio m3 Wasser aus der Ködeltalsperre, bezieht 3,2 Mio m3 Wasser vom Zweckverband WFW, darunter auch Wasser aus dem Donau-/Lech-Mündungsgebiet  und 1,0 Mio m3 Wasser von den Stadtwerken Kulmbach (nach Homepage der FWO). Die FWO sieht eine ausreichende Reserve   und die Ködeltalsperre (genauer Trinkwassertalsperre Mauthaus) zeigt einen stabilen Wasserstand.

Allerdings verweist die Studie „Niedrigwasser in Bayern“ des LfU für zunehmende Trockenjahren auf Probleme bei etlichen anderen Talsperren und bei der Überleitung von der Donau zum Main. Daher stellt sich die Frage: Kann man es sich im Zeichen des Klimawandels leisten, dezentrale Trinkwasserversorgungen stillzulegen und sich auf wenige zentrale Trinkwassergewinnungen zu konzentrieren?

Außerdem entsteht auch bei Zweckverbänden im Laufe der Zeit teurer Sanierungsbedarf und die Sanierung des Ortsnetzes bleibt den Gemeinden als kostspielige Aufgabe.

Typische Probleme beim Fernwasser

„Erhitzte Gemüter um kühle Brunnen“ (Mainpost,7.1.2017) über die Fernwasserversorgung Mittelmain (FWM): „Die FWM steht vor einem gewaltigen Investitionsstau und befindet sich zudem im Clinch mit zwei Bürgerinitiativen um die Ausweisung von Schutzzonen und die Zukunft einer nie benutzten Brunnenanlage.“ Die FWM benötigt bei Rodenbach bei Lohr ein größeres Wasserschutzgebiet mit strengeren Auflagen – die Landwirte wehren sich. Der Ortsteil Hofstetten bei Gemünden wehrte sich erfolgreich gegen die Brunnen der FWM, da bei einem Pumpversuch der Grundwasserspiegel sank und den eigenen Brunnen des Ortsteil trockenlegte. Außerdem hätte ein entsprechendes Schutzgebiet die Siedlungsentwicklung des Ortes eingeschränkt.

http://www.mainpost.de/regional/main-spessart/Brunnen-Buergerinitiativen;art129810,9464945


Damit wird klar: Probleme, die jede der 22 angeschlossenen Gemeinden aus den Landkreisen Würzburg und Main-Spessart für sich hätte lösen müssen, wurden auf andere abgeschoben und das in konzentrierter Form: Bei Rodenbach bei Lohr und bei Erlach bei Neustadt, beides am Spessartrand, liefern 15 Brunnen 2 Millionen Kubikmeter Trinkwasser im Jahr, bei Hofstetten sollten 6 Brunnen in Betrieb gehen.

Die angeschlossenen Gemeinden aber konnten es sich bequem machen: Sie mussten sich nicht um die Qualität ihres Trinkwassers kümmern, z.B. um steigende Nitratwerte. Sie brauchten sich nicht mit den Landwirten auseinanderzusetzen, deren „ordnungsgemäße Landwirtschaft“ das Grundwasser schädigt, oder mit der bevorzugten Partei,  die immer noch keine Düngerichtlinie verabschiedet hat, die das Grundwasser schützt. Sie mussten ihre Bauern nicht durch große Wasserschutzgebiete verärgern oder sich bei der Ausweisung von Baugebieten, Gewerbegebieten oder Sportplätzen durch den Grundwasserschutz einschränken lassen.

Jetzt holt sie das indirekt ein, vermutlich über den Wasserpreis: Die für rund 2 Millionen Euro gebauten Brunnen bei Hofstetten sollen teuer wieder verfüllt werden. Beim Schutzgebiet bei Rodenbach werden wohl Ausgleichzahlungen und finanziell attraktive Kooperationen nötig. Statt eigener Brunnen müssen jetzt die Fernwasserbrunnen bei Rodenbach und Erlach saniert werden. Die neue Leitung bei Leinach und die Sanierung bestehender Leitungen bringen weitere Kosten.

Vielleicht gibt es beim Lechwasser der Fernwasserversorgung Franken (FWF) weniger Probleme?  Denn obwohl die „regionale“ Fernwasserversorgung Mittelmain FWM auf ihrer Homepage schreibt: „Ziel ist die Nutzung ortsnaher Grundwasservorkommen zur Sicherstellung einer mengenmäßig ausreichenden Trinkwasserversorgung“, kommt etwa die Hälfte ihres verteilten Wassers von der FWF und damit auch vom Lech. Aber auch von dort werden die Kosten für lange Leitungen und hohe Pumpkosten irgendwann beim Verbraucher ankommen.

 

Der Zweckverband FWM rechtfertigt sich mit den geringen Niederschlagsmengen in Unterfranken. Aber gerade wenn eher Wassermangel herrscht, sollte man örtliche Trinkwasserversorgungen nicht aufgeben, sondern gerade besonders sorgfältig erhalten und sich für flächendeckenden Schutz des Grundwassers einsetzen.

http://www.fwm-wue.de

http://www.mainpost.de/regional/main-spessart/Brunnen-Buergerinitiativen;art129810,9464945

Neue Brunnen – Erfolg in Wollbach

Der Kampf hat vor 19 Jahren  hat sich gelohnt:  Nach einer erfolglosen Brunnenbohrung sollte Wollbach ans Fernwasser anschließen, denn es gab Probleme mit der Qualität und Menge des Trinkwassers. Aber die Bürger wehrten sich. Die Eigenwasserversorgung in Wollbach, Kreis Rhön-Grabfeld blieb erhalten.

Die Gemeinde Wollbach verfügte über einen Bohrbrunnen mit 70m Tiefe, der im Jahr 1953 erbaut wurde und qualitativ gutes Wasser in ausreichender Menge lieferte. Aber zu Beginn der 80iger Jahre wurden dann erhöhte Nitratwerte gemessen, im November 1983 61,5mg/l.

Erstmals im November 1986 wurde das Trinkwasser auf chlorierte Kohlenwasserstoffe untersucht. Das Messergebnis betrug 0,130 mg/l (Grenzwert: 0,025 mg/l). Ständige Messungen bis zum Juli 1990 brachten „bessere“ Ergebnisse, die jedoch immer weit über dem Grenzwert lagen.

Durch die Erschließung neuer Baugebiete war zwischenzeitlich auch die Wassermenge auf Dauer nicht mehr ausreichend.

1.Versuch

Nachdem die Fachbehörden eine Sanierbarkeit des Brunnens ausschlossen, wurde vom Gemeinderat im September 1987 der Beschluss gefasst, durch Neubohrungen die eigene Trinkwasserversorgung sicherzustellen. Durch das betraute Ingenieur-Geologische Institut wurden drei Bohrpunkte vorgeschlagen, wobei „die Reihenfolge 1, 2, gegebenenfalls 3“ beachtet werden sollte.

Zu Beginn des Jahres 1988 wurde die erste Bohrung niedergebracht. Man entschloss sich – wegen der Ortsnähe – für den Bohrpunkt 3. Auf eine Betreuung der Bohrung durch die Firma, die das Gutachten erstellt hatte, wurde allerdings aus Kostengründen verzichtet.

Die Wasseranalyse bei einer Bohrtiefe von 61 m war qualitativ gut, jedoch war die Schüttmenge nicht ausreichend. So ließ man die Bohrung auf 100 m niederbringen. Hier war die Schüttmenge 17 l/sec, jedoch zeigte die Analyse, dass man vermutlich auf Mineralquellen der benachbarten Kurstadt gestoßen war. Dieses Wasser war für Trinkwasser nicht geeignet. Der Bohrpunkt wurde verfüllt, wobei man bei 55 m Abpumptiefe nochmals eine Wasserprobe nahm, die erbrachte, dass bei einer Nutzung zu Trinkwasserzwecken vermutlich eine Aufbereitung (Enteisenung und Entmanganung) notwendig wäre.

Nachdem die Fachbehörden die Gemeinde ohne Beratung ließen, ist davon auszugehen, dass von deren Seite kein ernsthaftes Interesse an dem Erhalt der Eigenwasserversorgung vorlag.

Vermutlich hätten bei einer hydrogeologischen Betreuung die Bohraufschlüsse und entsprechende Aufzeichnungen sowie häufigere Wasserproben gesicherte Erkenntnisse über die geologische Struktur geliefert und so auch Aussagen über Erfolgsaussichten weiterer Bohrungen zugelassen.

Anschluss an „Mellrichstädter Gruppe“ ?

Der Mut zu weiteren Versuchsbohrungen wurde dem Gemeinderat vor allem durch die Aussage genommen, dass man froh sein solle, durch die große Bohrtiefe auf mineralreiche Wasser gestoßen zu sein und man dadurch nicht Gefahr gelaufen sei, dass der Brunnen später durchgebrochen wäre. Außerdem war angeblich die Auflage, mit einer Bohrung genügend Wasser in ausreichender Qualität zu finden (das hydrologische Gutachten sah die Notwendigkeit von „mindestens zwei Bohrungen“).

Vonseiten der Fachbehörden und dem Planungsbüro wurde erklärt, dass die evtl. notwendige Aufbereitung (Enteisenung und Entmanganung) und das Zusammenschließen mehrerer Brunnen wegen der dann notwendigen Anlage nicht mehr die wirtschaftlichste Lösung darstellen würde und somit nicht bezuschusst werde.

So beschloss der Gemeinderat mit drei Gegenstimmen (der Ratsherren der Wollbacher Wählergemeinschaft WWG) am 24.1.1989 den Anschluss an die „Mellrichstädter Gruppe“.

Zu diesem Zeitpunkt war schon bekannt, dass das Wasser dort mit rund 40mg/l Nitrat belastet war, also nahe dem Grenzwert von 50mg/l. Außerdem wurden Atrazin und Desthylatrazin über dem Grenzwert nachgewiesen. Eine Dauerchlorierung war erforderlich, da es sich um oberflächennahe Quellen handelt, die für Umwelteinflüsse anfälliger sind.

Widerstand

Von den Gemeinderäten der WWG wurde in der Sitzung vom 13.9.1990 beantragt, die Bürger über diese Alternative der Wasserversorgung in einer Informationsveranstaltung aufzuklären, was der Gemeinderat mit Mehrheit ablehnte.

In dieser Sitzung wurde nochmals festgehalten, dass man „einem Anschluss an die Mellrichstädter Gruppe“ den Vorrang einräume.

Da Trinkwasser unser wertvollstes Lebensmittel darstellt, wollte sich die WWG nicht damit abfinden, sehr schlechte Wasserqualität gegen schlechte Wasserqualität + hohen Kosten einzutauschen.

Wollbacher Wählergemeinschaft für 2. Versuch

So beschloss die WWG, sich mit einer Petition an den Bayerischen Landtag zu wenden.

Die Fakten wurden zusammengetragen, das entsprechende Schriftstück verfasst. Dann gingen Verfechter für die Erhaltung der eigenen Wasserversorgung tagelang von Haus zu Haus, führten mit den Bürgern lange Gespräche und sammelten so 504 Unterschriften (bei 932 Wahlberechtigte)!.

Am 5.11.1990 wurde die Petition abgeschickt. Im Januar 1991 hat dann der Gemeinderat den Beschluss gefasst, die Petition der WWG zu unterstützen und dieses per Nachtrag dem Bayerischen Landtag kundgetan.

Am 9.8.1991 teilte das Landtagsamt des Bayerischen Landtags mit, dass der Gemeinde „anheimgestellt wird, durch ein hydrogeologisches Fachbüro eine weitere Möglichkeit der ortsnahen Wassergewinnung untersuchen zu lassen. Soweit das hydrogeologische Gutachten zu einem positiven Ergebnis kommt wären die Aufwendungen einschließlich der unbedingt erforderlichen Erkundungsbohrung grundsätzlich zuwendungsfähig.“ Weiter wurde mitgeteilt, dass „für vordringlich zu erstellende Teile der gemeindlichen Wasserversorgungsanlage auf Antrag der Gemeinde eine vorzeitige Baufreigabe im Zuwendungsverfahren erteilt werden kann“.

Der Erfolg zeigt – der Kampf hat sich gelohnt

Seit dem 8.7.1994 sprudelt unser Wasser aus den zwei neuen Brunnen. Die Quellen haben eine ausreichende Schüttung.

Der neue Hochbehälter ist seit 20.8.1996 in Betrieb.

Der alte Brunnen wird für die Sportplatzbewässerung weiter genutzt. Die Schadstoffe (CKW) sind mittlerweile nicht mehr nachweisbar.

Wir sind froh, dass wir den Kampf aufgenommen haben, bei dem die IKT für uns jederzeit ein kompetenter Ansprechpartner gewesen ist und uns tatkräftig unterstützt hat.

Unsere Bürger verfügen heute seit 19 Jahren über ein qualitativ hochwertiges Quellwasser, das nicht aufbereitet werden muss, aus eigenen Brunnen zu einem vernünftigen Preis.

Alfons Pfeuffer / Helga Werner

 

 

 

 

 

 

 

 

 

IKT Mitgliederversammlung

IKT Mitgliederversammlung 2013, 9.11.2013, Nürnberg

Themen: Berichte und Neuwahl

Hausbrunnengemeinschaften am Beispiel der Wassergemeinschaft Triesdorf Bahnhof (west)von Ing. grad. Gunter Zepter
 Berichte und Diskussionen über aktuelle Themen
– Trinkwasserversorger pro – Grundstückseigentümer kontra Wasserschutzgebiete/
– Geforderte Untersuchung im Wasserschutzgebiet: Margetshöchheim/
– Trinkwasser aus Hausbrunnen – Leutershausen OT Wiedersbach/
– Fachbehörden und Planer verhindern naturnahe Abwasserreinigung im ländlichen Raum
(überzogene Auflagen, problematische Wirtschaftlichkeit-berechnungen)

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