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40 Jahre Interessengemeinschaft Kommunale Trinkwasserversorgung in Bayern

Ehrenvorsitzender Sebastian SchönauerEhrenvorsitzender Sebastian Schönauer in Nürnberg geehrt. 

Die Interessengemeinschaft Kommunale Trinkwasserversorgung (IKT) feierte am Samstag, 16. Mai, in Nürnberg ihr 40-jähriges Bestehen. In festlichem Rahmen erhielt neben mehreren lange gedienten Vorstandmitgliedern dabei Sebastian Schönauer seine Urkunde als Ehrenvorsitzender. Er gilt als Gründungsvater der IKT in Bayern. Fast 50 Jahre setzt sich inzwischen der IKT- Vorsitzende aus Rothenbuch (LK Aschaffenburg), der fast drei Jahrzehnte lang auch stellvertretender Landesvorsitzender des BUND Naturschutz in Bayern war, gegen die Übernahme von lokalen Trinkwasserversorgungen durch Fernwasserunternehmen ein. Der flächendeckende Grundwasserschutz und der Erhalt dezentraler, kommunaler Trinkwasserversorgungen wurden zu seinem Lebensthema, das gegen Ende der 1990er Jahre durch seinen aktiven Kampf gegen die Wasserprivatisierung bis hin zum europaweit erkämpften Right2Water ergänzt wurde. Auch in Zukunft darf es kein „Vorkaufrecht für Wasservermarkter“ geben.

 

50 Gäste kamen im Literaturhaus am Nürnberger Hauptbahnhof zur IKT- Festversammlung zusammen. Ehrende Grußworte sprachen vor allem der Nürnberger Oberbürgermeister Marcus König, Claudia Ehrensberger, die Präsidentin der AÖW, der Allianz für öffentliche Wasserwirtschaft mit Sitz in Berlin, und Martin Geilhufe, der neugewählte Landesvorsitzende des BUND Naturschutz in Bayern. Alle drei hoben die nicht hoch genug einzuschätzenden Leistungen der IKT und ihrer Protagonisten in vier Jahrzehnten ehrenamtlicher Tätigkeit im Kampf um sauberes Wasser und um die Erhaltung und Sanierung unzähliger Brunnen, Quellen und Trinkwasseranlagen in Bayern und die damit verbundene verdienstvolle Arbeit ihres Vorsitzenden Sebastian Schönauer hervor. Prof. Hubert Weiger, der BN -Ehrenvorsitzende und Mitbegründer der IKT hielt dazu die mehrfach mit Beifall unterbrochene Festrede zu 40 Jahre IKT Bayern.

 

In seiner Rede „Eine erfolgreiche Geschichte ehrenamtlichen Engagements für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen“ wies Sebastian Schönauer darauf hin, dass er bereits als Gemeinderat und
2. Bürgermeister (ab 1972-2014) in der Gemeinde Rothenbuch vor Ort für die (erfolgreiche) Erhaltung der eigenen Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung eingetreten sei und dabei Rothenbuch auch als Gemeinde selbständig geblieben sei. Der überregionale Kampf um die Erhaltung der kommunalen Trinkwasserversorgungen begann im Jahr 1978 im Hafenlohrtal, im OT Lichtenau. Dort wurde der Kommunalpolitiker aus Leidenschaft in einer Protestversammlung vieler Bürgermeister, Stadt- und GemeinderätInnen und Naturschützern unter der Leitung von Rothenbuchs Altbürgermeister Günter Eich (1972-2014) und Prof. Hubert Weiger zum Vorsitzenden der Aktionsgemeinschaft Hafenlohrtal gewählt. Viele Gemeinden im und um den Spessart wehrten sich nun mit der AGH mit Sebastian Schönauer an der Spitze gegen den dort von der Staatsregierung geplanten Stausee und schrieben sich als Ziele auf ihre Fahnen –
– (1) die Rettung einer der letzten Kultur- und Naturlandschaften in Nordbayern
– (2) den Erhalt der eigenen, kommunalen Trinkwasserversorgungen und
– (3) Grundwasserschutz, nicht nur vor der eigenen Haustür.
Diese Themen schlugen ein, so Sebastian Schönauer in seiner Rückschau, und so wurde unter Einschluss Dutzender Bürgerinitiativen am 18. Januar 1986 die bayernweite Interessengemeinschaft kommunale Trinkwasserversorgung – IKT – ins Leben gerufen.

Kurz darauf wurde die bereits auch von der Aktionsgemeinschaft Hafenlohrtal seit 1978 geforderte Reduzierung der Nitratbelastung durch den neuen Grenzwert von 50 mg/l Nitrat durch die im Jahr 1980 erlassene europäische Trinkwasser-Richtlinie gesetzlich verlangt.

Ein großer Erfolg insbesondere für die kommunalen Wasserversorger, doch sie befanden sich nun in einer „Zwickmühle“, denn für die Um- und Durchsetzung der Reduzierung des Nitrats im Grund- und Trinkwasser hatte der Gesetzgeber den kommunalen Wasserversorgern keine Rechtsmittel zur Verfügung gestellt, um die Forderung der Behörden nach unbelastetem Trinkwasser erfüllen zu können. In Zusammenarbeit von IKT und Wasserversorgern wurde den Landwirten in den Wasserschutz- und Wassereinzugsgebieten „landwirtschaftliche Kooperationen“ anboten. Die dabei den Bauern für den notwendigen Düngeverzicht angebotenen „Ausgleichszahlungen“ stellten zwar eine Symptombekämpfung dar, waren aber unverzichtbar, um den angedrohten Stilllegungen hunderter Brunnen und kommunaler Wasserversorgungen zu entgehen.

Dieser bis heute andauernde Kampf gegen die zu hohen Nitrat- und Pestizideinträge in die landwirtschaftlich genutzten Böden und damit auch ins Grundwasser war der Beginn einer sehr engen Zusammenarbeit des IKT -Vorsitzenden Sebastian Schönauer mit Hubert Weiger als Protagonisten des BN in Bayern, die die Arbeit der IKT prägte und gleichzeitig der Beginn einer Erfolgsgeschichte für den Natur- und Gewässerschutz in Bayern war.

Verantwortlich für den Inhalt                     Sebastian Schönauer

Bericht Jubiläumsfeier 40Jahre IKT Bayern

Neuer IKT-Info-Dienst 2026

Hier finden Sie aktuelle Artikel zum Grundwasser als unserer Lebensgrundlage, zur Überdüngung mit Nitrat und dem Urteil zur Düngeverordnung, zur Verseuchung mit PFC in Katterbach und sinkenden Grundwasserspiegeln, am Ellenbachgraben wie an den Brunnen der Magnus-Gruppe. Auch Hinweise zur Sanitärwende.

IKT-Info-Dienst-2026-Nr-66

 

Kritik am geplanten Düngegesetz (DüngG)

Mehrere Umweltverbände, BUND, Greenpeace und Deutsche Umwelthilfe (DUH) sehen die geplanten Änderungen des Düngegesetzes (DüngG) sehr kritisch. Eine kritische Stellungnahme der IKT zur Nitratproblematik finden demnächst Sie im neuen IKT-Info-Dienst.

Diese Änderungen würden eine eindeutige Verschlechterung des gesetzlichen Gewässerschutzes und des Grundwasserschutzes bedeuten. Mit der Streichung der Stoffstrombilanz für die eingesetzten Düngemittel entfiele die Datengrundlage.  Woher sollen dann die Daten für Ausnahmegenehmigungen für bereits nachhaltig wirtschaftende Landwirte kommen? Insgesamt fehlen Eingriffsmöglichkeiten für die Behörden bei Betrieben, die eine hohe Nitratbelastung verursachen. Insgesamt gefährdet das die Umsetzung der EU-Nitratrichtlinie und der EU-Wasserrahmenrichtlinie.

Hier finden Sie die ausführlichen Stellungsnahmen:

BUND Stellungnahme DüngeG

2026_Greenpeace-Stellungnahme zum Entwurf eines Zweiten Gesetzes zur Änderung des Düngegesetzes (DüngG)

2026-02-06_Stellungnahme_DUH_DüG

Geht uns das Wasser aus? Vortrag von Rupert Reitberger

Deutliche Worte über wertvolles Trinkwasser und unseren Umgang damit:

Am Freitag, 12. Dezember, hat die IKT zu einem Online-Vortrag mit dem Titel “Wasser ist viel zu wertvoll, um es nicht zu schützen” mit Rupert Reitberger eingeladen. Der 87-Jährige ist seit 52 Jahren Vorsitzender der Magnusgruppe, einem Wasserversorger im schwäbischen Landkreis Aichach-Friedberg. Der Referent spannte vor rund 20 Zuhörern kenntnisreich und mit teilweise klaren Worten den großen Bogen von den Anfängen der Wasserversorgung bis hin zu den heutigen Herausforderungen.

Rupert Reitberger

Rupert Reitberger, Foto: Ines Speck

“Die natürlichen Ressourcen gehen zurück”, sagte Rupert Reitberger und untermauerte dies mit einem Einblick in einen der fünf Brunnen der Magnusgruppe. In den zurückliegenden 20 Jahren “haben wir 21 Prozent des Grundwassers verloren”, erläuterte Reitberger das gezeigte Diagramm. Den nach unten verlaufenden Graphen lieferte die Messstelle am ausgewählten Brunnen im Kreiter Forst (Gemeinde Kühbach, Landkreis Aichach-Friedberg).

“Die natürlichen Ressourcen gehen zurück”

Das Schlimme sei, das sich das Grundwasser nicht mehr erhole. Früher habe die Schneeschmelze für die nötige Regeneration gesorgt. Dieser Kreislauf funktioniere nicht mehr. “Wenn wir so weitermachen, sitzen wir zur nächsten Jahrhundertwende auf dem Trockenen”, wagte Reitberger eine Prognose. Es werde eine Konkurrenz geben zwischen jenen, die Wasser haben, und jenen, die welches brauchen. “Wir müssen solidarisch miteinander umgehen. Wir müssen das vorhandene Wasser so behandeln, dass es für die Zukunft reicht.”

Grundwasserstand Haslangkreit

Grundwasserstand Haslangkreit, Grafik LfU, 15.12.2025

Die Daten aus den Messstellen sind über die Homepage des Bayerischen Landesamts für Umwelt einzusehen.

https://www.nid.bayern.de/grundwasser/tiefere_stockwerke

 

“Zur Jahrhundertwende werden wir auf dem Trockenen sitzen”

Reitberger versuchte sich an Lösungsansätzen:

  • Dem Regenwasser die Möglichkeit zum Versickern geben: Im verdichteten Raum könne Wasser nicht versickern, vielmehr fließe Regenwasser in Siedlungsgebieten in den Kanal und in die Kläranlage. Der Boden müsse generell wieder “saugfähiger” werden. “Ich bin ein absoluter Befürworter der Wiedervernässung der Moore”, bekannte sich der Hobby-Schafhalter. Die Landwirtschaft sei ein wichtiger Partner, “der Landwirt darf keinen Nachteil haben”, führte er aus. Für die Magnusgruppe habe er mit den umliegenden Bauern freiwillige Vereinbarungen getroffen hinsichtlich der Düngung. Stichwort: Belastung des Grundwassers mit Nitrat. “Direkt eingreifen” könne hier nur die Politik, gab Reitberger zu. “Bauchschmerzen” bekomme er, wenn er sehe, wie in der Landwirtschaft großflächig bewässert werde. “Ich bin ein Freund der Tröpfchenbewässerung.”
  • Regenwasser nutzen: Regenwasser könne zum Beispiel in Zisternen gesammelt und genutzt werden, regte Reitberger an. “Mit jedem Kubikmeter, den wir aus dem Grundwasser nehmen, schädigen wir uns für die Zukunft”, machte er klar.
  • Brauchwasser verwenden: “Wir können für die Toilettenspülung anderes Wasser verwenden”, sagte der Trinkwasser-Experte. Er hält es für sinnvoll, Klärwasser eine zweite Runde durch die Kloschlüssel zu schicken. “Das würde 27 Prozent unseres wertvollen Trinkwassers sparen”, überschlug er. Allerdings wäre dafür ein zweites Leitungssystem nötig.  Oder man setze gleich auf andere Toiletten: Trockentrenntoiletten zum Beispiel. Für die gilt aus den Reihen der IKT Jano Soos-Schupfner als Vorreiter.
    (Abwasser als Wertstoff- Sanitärwende, Infomappe ökosan _ 2017_08_03Infomappe ökosan _ 2017_08_03 )

Die Magnusgruppe selbst bezeichnete der Vorsitzende des Wasserzweckverbands zur Wasserversorgung als Vorbild: Das im Juli 2025 in Aichach-Oberbernbach eröffnete, neu gebaute Wasserwerk ist nach Reitbergers Aussage energieautark und klimaneutral. Auf dem nach Schwammstadtprinzip konzipierten Gelände finden sich rund drei Hektar Streuobstwiesen und insektenfreundliche Blühflächen mit ausgewählten Blüten und Kräutern. Die Botschaft ist einfach: Unter einem gesunden Boden gibt es gutes Wasser.

“Wir sollten nicht aufhören, aktiv zu bleiben”, ermunterte der 87-Jährige. Er ärgere sich darüber, dass manchen Wasserversorgern die Kampfbereitschaft fehle, der Mut, sich deutlich zu Wort zu melden. Oder das Wissen. Was er sich wünsche, sei ein gemeinsames Sprachrohr.

Wasserversorger sollen sich gemeinsam deutlich artikulieren

Dann müsse man jetzt vielleicht auch nicht sagen: “Diese Chance haben wir vertan.” Zu dieser Einschätzung kommt Reitberger beim Thema Wassercent. “Sauer” sei er über die “Begleitumstände”. Man habe “die große Chance” gehabt, zu sagen, “das ganze Wasser muss gemessen werden”. Nur so hätte man zu einer aussagekräftigen Bilanz kommen können, wieviel Wasser tatsächlich entnommen wird. Genau diese Chance habe man nun verspielt.

Foto: Rupert Reitberger steht seit mehr als 50 Jahren an der Spitze der Magnusgruppe, dem Zweckverband zur Wasserversorgung mit Sitz in Aichach (Landkreis Aichach-Friedberg; Schwaben). Er hat sich dem Wasser- und Bodenschutz verschrieben und ist bayernweit als Referent unterwegs.

Text: Ines Speck

 

Neubildung von Grundwasser? Keine Ahnung…

Aus der Antwort der Bayerischen Staatsregierung vom 10.12.2025 auf eine Anfrage der SPD-Landtagsabgeordneten Anna Rasehorn:

Frage:

2.2 Welchen Anteil (in Prozent) haben die einzelnen Faktoren (Klima­antrieb, Bodenbeschaffenheit und -bewirtschaftung, Wasserent­nahmen etc.) laut diesen Forschungsergebnissen am Rückgang des Grundwassers bzw. Tiefengrundwassers in Bayern?

Antwort: Ratlose Puppe

Die der Wasserwirtschaftsverwaltung derzeit zur Verfügung stehenden Ergebnisse und Daten lassen dazu keine abschließend belastbaren Aussagen zu.

 

Standpunkt der IKT:

Wir können nicht warten, bis die Staatsregierung endlich valide Daten hat. Diese sollten jedoch schnellstmöglich ermittelt werden, weil die Genehmigung von Wasserentnahmen eine zuverlässige Abschätzung der Grundwasserneubildung voraussetzt.
Was wir vor allem brauchen, ist konsequentes Handeln beim Grundwasserschutz, beim Wasserrückhalt, beim Bodenschutz und eine Reduzierung des Grundwasserverbrauchs.
Jede Genehmigung einer Grundwasserentnahme muss in Gebieten mit abnehmendem Grundwasser immer verknüpft sein mit der Durchführung von Maßnahmen zum Wasserrückhalt und zur Grundwasserneubildung

Renate Götzenberger

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